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Tag 6 - Steinadlerauge sei wachsam und Tauernschleuse fürs Auto

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​Sprichwörtlich wie im Flug verging die Zeit, in der wir das ein oder andere Abenteuer gemeinsam mit dem Ehepaar Kuhn erleben durften. Auch heute, am letzten Tag unserer Reise sollte es noch einmal spannend werden. Denn gemeinsam mit der Bergwanderführerin Munja Treichel-Supersberger ging es zum "Steinadler-Watching" ins Seebachtal. Romantische Randnotiz: Die gebürtige Rüsselsheimerin ist die Ehefrau von Markus Supersberger, dem Besitzer des Hotels Eggershof, und lebt inzwischen seit einigen Jahren in Mallnitz. Vorausgegangen war damals eine Klassenfahrt, bei der sich der damalige Canyoning-Guide Markus Hals über Kopf in seine zukünfitge Frau und heutige Mutter seiner Kinder verliebte. Inzwischen ist die studierte Biologin mehr als nur integriert in die Gemeinschaft des Bergsteigerdorfs und führt regelmäßig Urlauber durch die umliegenden Täler und Wälder.

So machte sich Munja auch mit uns auf den Weg in das vom Wind durchfegte Seebachtal, das wir bequem mit dem kostenlosen Skibus erreichten. Von der Skipiste aus ging es direkt und immer entlang der Langlaufloipe in Richtung Taleinschnitt, wo sie uns auf die "magische Grenze" des Nationalparks Hohe Tauern aufmerksam machte. Eine Grenze, die man dank der Häuser und Liftanlagen sogar mit bloßem Auge erkennen kann. Dann ging es weiter mit den Schneeschuhen bis wir dden Stappitzer See erreichten, der nebst seiner Umgebung im April 1986 zum Naturdenkmal und im März 2008 zum Europaschutzgebiet „Stappitzer See und Umgebung" erklärt wurde. Der Stappitzer See entstand am Ende der letzten Eiszeit. Durch den Rückgang der Gletscher und das damit verbundene Nachlassen des Eisdrucks kam es zu Bergstürzen aus den Flanken. Hier im Mallnitzer Tal bildete ein gewaltiger Bergsturz vom Auernig, dessen Überreste bei Rabisch unterhalb von Mallnitz eine deutliche Steilstufe bilden, den natürlichen Sperrriegel, hinter dem sich ein bis zu 10 km langer See aufzustauen begann. Der See reichte weit ins Seebachtal hinein und wurde im Laufe der Zeit wieder mit dem Geschiebe des Seebachs und seiner Zubringerbäche, mit Blockwerk und Murenmaterial aufgefüllt.

Der Stappitzer See ist das Überbleibsel dieses Verlandungsprozesses. Stehende Gewässer von nicht allzu großer Tiefe, wie dieser See, zeigen die Tendenz, im Laufe der Jahrhunderte zu verlanden. Manche Pflanzen sind durch Ihr dichtes Wurzelwerk in der Lage, den Untergrund zu verfestigen und aktiv aufzuhören und somit das Gewässer langsam zuzuwachsen. Diese ist hier deutlich an den absterbenden feuchtigkeitsliebenden Bäumen zu erkennen und wie die Fischten immer weiter in den Talboden hineindrängen. Laut Aussage von Munja kann es gut möglich sein, dass dieser See in rund 100 Jahren vielleicht nicht mehr existiert. Leidtragende werden die Brut- und Zugvögel sein, die hier einen wichtigen Rastplatz finden. Bleibt die Frage: "Den See auszubaggern um diesem Szenario entgegenzuwirken, oder doch alles dem natürlichen Lauf der Dinge überlassen?" 

Umso weiter wir ins Tal hineinstapften, umso enger scheint es zu werden. Schuld daran ist das einstige Gletschereis, das es trogförmig ausgehölt und die seitlichen Flanken förmlich weggeschliffen hat. Rechts und links erheben sich heute mächtige Felswände, an denen sich im Winter beindruckende Eisfälle bilden und Eiskletterer aus aller Welt anlocken. Auf der Sonnenseite des Lebens grasen hingegen Gamsherden und bauen die Steinadler ihre Nester. Nur einem Zufall war es zu verdanken, dass auch wir einen Blick auf dieses mächtige Vogeltier erhaschen konnten. Der Jungvogel war durch seine an den Unterseiten weißgefleckten Flügel und den ebenso weißen Schwanz mit der dunklen, breiten Endbinde zu erkennen. Der Steinadler ist ein schneller, gewandter Flieger. Beim Segeln winkelt er seine Flügel v-förmig ab, was ihn von anderen Adlern unterscheidet.

Das Thema Ausrottung und Wiederaufzucht von Bartgeier und Steinbock waren denn auch die Hauptthemen auf unserem Rückweg nach Mallnitz, bei dem uns inzwischen auch die wärmende Sonne begleitete. Abschließend wärmten wir uns bei einem heißen Kakao und einem wirklich leckeren Kaiserschmarrn in der Raineralm auf, bevor es mit dem Skibus wieder zurück zum Eggershof ging. Und dann hieß es auch schon Abschied nehmen. Während die Familie Kuhn noch eine Rodelfahrt von der Jausenstation Stockerhütte erleben und eine letzte Nacht in Mallnitz verbrachte, nahmen wir den nächsten Autozug der ÖBB durch die Tauernschleuse. Dabei fährt man den eigenen Pkw auf einen Autozug auf und steigt während der Durchfahrt in einen Personenwagon. Für gerade einmal 17 Euro pro Fahrzeug und alle Insassen eine wirklich günstige Alternative, um sich die Umfahrung des Alpennordkamms über Villach zu sparen. Auf der anderen Seite holte uns dann in Bad Gastein die Wirklichkeit ein, wartete dort doch wieder graues Winterwetter und Schneemassen satt. Schöneres Wetter hatten wir in Kärnten und Osttirol auf jeden Fall, aber wir kommen ja schon bald wieder.


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Tag 6 - Auf Wiedersehen

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